Regatta- Trainingsberichte

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JUT
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Regatta- Trainingsberichte

Beitrag von JUT » 15.05.2011, 18:02

Hallo Zusammen,

mein Vorschoter Max hat sich vorgenommen dieses Jahr über jede Regatta, an der wir Teilnehmen, eine Bericht zu schreiben. :rr:
Somit eröffnen wir doch dafür mal einen neuen Thread. :k

Ihr dürft / sollt natürlich auch Eure eigenen Berichte einstellen.

Viel Spaß beim Lesen.

Jens Uwe
Zuletzt geändert von JUT am 16.05.2011, 14:43, insgesamt 1-mal geändert.

JUT
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2011 Laacher See - Die kulinarische Regatta

Beitrag von JUT » 15.05.2011, 18:05

Endlich war es soweit. Die neue Segelsaison sollte mit einer Regatta am Laacher See eingeläutet werden. Laacher See? Mir persönlich musste erst Google genau erklären wohin genau uns Peter Müller da eingeladen hatte! Schon auf Gran Canaria im Dezember wurde uns diese Regatta vor allem als kulinarisches Highlight im Regattakalender angepriesen und ganz nebenbei konnten wir sogar unter Wettkampfbedingungen segeln.
Nach einer für die Teams aus dem Westen untypisch kurzen Anfahrt fanden wir uns am späten Freitagnachmittag am See ein. Der erste Eindruck: wunderschöne Landschaft und das segeln könnte bei günstiger Windrichtung genauso werden.
Die Boote waren nach ihrem Spanienaufenthalt ja schon in Workum gesegelt worden über Ostern und waren daher fix aufgebaut und so konnten wir uns dann dem Frühstück widmen das uns aufgetischt wurde. Und Peter Müller, unser Gastgeber, hatte wirklich nicht zuviel versprochen, es gab Brötchen und Kaffee satt! Der erste Start wurde praktischerweise auf 13.00 Uhr angesetzt so konnte jeder auch noch ein zweites oder drittes Frühstück einnehmen, Wind so wurde uns erzählt „kommt später“! Als er dann kam, lief die Mehrzahl der immerhin 13 gemeldeten F18 aus um die ein oder andere Testkreuz zu segeln, Windfelder zu beobachten und eben all die Sachen die noch so zu tuhen sind vor dem Start auf fremdem Revier! Ganz schnell wurde Jens-Uwe und mir klar, die Stunde die wir uns eingeplant hatten um uns warm zu machen würde nicht reichen um nur annähernd einen Überblick über die Besonderheiten dieses Sees zu bekommen. Der Wechsel von Windstärke und Richtung in diesem Ausmaß kenne ich so nur von der Alster, das macht jeden Schlag zu harter Arbeit, bei egal welcher Windstärke! Der Wind aus nordöstlicher Richtung ließ keinen besonders langen Kurs zu dafür wurden dann drei Runden mit Zielkreuz gesegelt. Pünktlich um 13:00 Uhr war dann alles angerichtet für die drei geplanten Rennen an diesem Tag, dass es spannend werden würde stand da schon fest. Und gleich der erste Start bereitete einigen Teams Probleme, während der untere Teil der Linie noch gerade mit Backbord über die Linie kam, wurde es oben am Startschiff laut bei spontanen Manövern! Wir konnten uns (glücklicherweise??) an die Spitze setzen, hatten dann knifflige Dreher am Luvfass, konnten dann aber mit Spi am Rest des Feldes vorbei Richtung Gate abdrehen. Wieviel Glück (man kann es schon so bezeichnen im ersten Rennen) wir hatten konnten wir dann am Gate feststellen. Oben trieben sie noch um die erste Marke. Aber: Erfolg ist planbar, das konnte man daran sehen das ein gelber Tiger uns beschattete und augenscheinlich war das Team vom See und kannte alle Tricks! Das erste Rennen konnten wir dann nach einem schönen Zweikampf knapp gewinnen aber schon das zweite Rennen zeigte das nur eines sicher war: nichts! Nach schlechtem Start und 10 Minuten totaler Flaute mitten auf der 2.Runde kamen wir als sechste ins Ziel, der gelbe Tiger gewann aber so richtig ärgern wollten wir uns nicht, wie schnell sich das Blatt innerhalb eines Rennens ändern konnte hatten wir jetzt heraus gefunden. Das letzte Rennen des Tages wurde dann noch mit konstanten 4 Windstärken zu Ende gesegelt, mit gutem Ergebnis für den Gastgeber und uns!
Das wirkliche Highlight wartete dann aber an Land, Würstchen und Fleisch vom Grill,Eifel Bier vom Fass und Lagerfeuer und von allem bis zum umfallen! Bei milden Temperaturen die perfekt Art einen wirklich anstrengenden und anspruchsvollen Segeltag abzurunden!

Das letzte Rennen am Sonntag, verschoben durch die verspätete Ankunft des Windes hatte dann eigentlich keine Überraschungen mehr parat. Insgesamt muss man sagen das obwohl die Bedingungen aussergewöhnlich waren (für so einen Ostsee Segler), die Serien der einzelnen Schiffe doch konstant waren
Bevor die Siegerehrung anstand wurde nochmal kräftig gegrillt und mit vollem Magen und gutem Gefühl traten wir die kurze Heimreise an.
Der Eifel Cup wurde völlig zurecht als das kulinarische Highlight angepriesen sind doch alle Mahlzeiten im Startgeld inbegriffen und wer dann noch Lust (und die Nerven) für enge Rennen hat der sollte dann unbedingt die Kilometer zum Laacher See auf sich nehmen, Ranglisten Punkte sind bei einer Flotte von 10 F18 vor Ort garantiert! Unser Dank geht an Peter Müller und seinem gesamten Team für diese wirklich hervorragend organisierte Regatta, nächstes Jahr sehr gerne wieder!

Eifelcup
30.4./1.5.2011
Ergebnis: F18
Stand: 05.05.2011 07:50

Rang Segel_Nr Steuermann/Vorsch. Club DSVNr 1.Wettf 2.Wettf 3.Wettf 4.Wettf Ges Pk RL-Pkt
Pl Pkt Pl Pkt Pl Pkt Pl Pkt
1 183 Jens Uwe Tonne
Maximilian Said
SCLM
R022 1 1,0 6 -6,0 1 1,0 1 1,0 3,0 120,00
2 249 Peter Müller
Eva Martiny SCLM
SCLM R022
R022 DNC -15,0 3 3,0 2 2,0 3 3,0 8,0 110,77
3 1 Matthias Nicolai
Oliver Pospiech R022
R022 5 5,0 4 4,0 DNC -15,0 2 2,0 11,0 101,54


Euer Max

Martin
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F18-Training Nord in Flensburg 13.-15.Mai

Beitrag von Martin » 23.05.2011, 21:37


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Niendorf 2011 - Immer wieder Niendorf

Beitrag von MaxS » 07.06.2011, 11:22

Etwas verspätet bedingt durch fehlendes Internet in meiner Wohnung hier der Bericht über die Regatta in Niendorf:

Der Wetterbericht ließ uns eigentlich vermuten, dass wir uns mit der Anreise Zeit lassen konnten, für Samstag konnte man nur auf thermische Winde hoffen, am Sonntag sollte mit dem Wind auch jede Menge Regen uns das Leben auf dem Regattakurs angenehm bereiten. Gut, jeder weiß das Windfinder und Co. nicht die verlässlichsten Quellen für meteorologische Vorhersagen sind und trotzdem schaut man doch immer noch nach was das Wetter einem bringt und das in immer kürzer werdenden Abständen je näher das Wochenende rückt. Ich muss auch zugeben ich war angespannt, etwas nervös vor dieser ersten wirklichen Standortbestimmung nach einem Winter in dem wir viel trainiert hatten, das leichte Unwohlsein kann aber auch durch die schlechte Nacht erklärt werden die ich im Nachtzug „Hans Albers“ von Passau nach Hamburg hatte.
Jeder weiß doch das am Freitag die Autobahnen A7 und A24 nicht als solche bezeichnet werden können, Jens Uwe und ich nutzten aber dann die vielen „Stops“ und die wenigen „Go´s“ um zu mutmaßen wo in dem starken Feld von 22 gemeldeten Booten wir wohl landen würden während wir mit den endlosen Kolonnen von Ostseeliebhabern unserem Ziel entgegenrollten. Aus dem Plan noch am Freitag aufzubauen und zu segeln wurde dann auch nichts anstatt dessen war dann nach Bier und Pizza etwas früher Feierabend, wir waren beide etwas angeschlagen.
Tolles Wetter UND Wind aus östlicher Richtung mit mittlerer Geschwindigkeit von 2bft erwartete uns dann am Samstag Morgen und das trieb alle Segler früh aufs Wasser. Alle? Nicht ganz alle. Ein kleiner Capricorn mit zwei unbeugsamen Seglern leistete dem Wettfahrtleiter immer noch Widerstand. Gemeint sind natürlich nicht Asterix und Obelix sondern Ecki und Sönke, die sich dann schließlich, nach einem allgemeinen Rückruf zum zweiten Versuch auch an der Linie einfanden. Dieser Zweite Versuch sollte Folgen haben, wehte doch am Startschiff eine schwarze Flagge, trotzdem waren dann 6 Teams nicht vorsichtig genug und fuhren einmal volle Punkte ein unter anderem auch wir und Jörg Gosche mit Hannes Pegel, übrigens das einzige mal das die beiden in dieser Serie mehr als einen Punkt aus einem Rennen mitnahmen.

An dieser Stelle eine kleine Exkursion in das Flaggenalphabet und ihre Bedeutung für den Regattasegler:
Flagge P(apa), weißes Rechteck auf blauem Grund gezogen bei 4 Minuten erlaubt den Seglern auch vor der Linie zu stehen solange sie vor „0“ noch einmal hinter die Linie eintauchen
Flagge I(ndia), schwarzer Punkt auf gelbem Grund, gezogen bei 4 Minuten, setzt die 1-Minuten Regel (Regel 30.1) in Kraft. Das bedeutet für die Steuermänner ab einer Minute vor dem Start bis „0“ sollte die Linie nicht mehr überfahren werden. Geschieht das wissentlich doch kann man diesen Verstoß aber wiedergutmachen in dem man Startschiff- oder Tonne rundet.
„Blackflag“, eine schwarze Flagge, gezogen bei 4 Minuten, verbietet ab einer Minute vor dem Startsignal das Überfahren der Linie (Regel 30.3). Wenn ein Boot identifiziert wird bei einem Überfahren, ist dieses Boot sofort Disqualifiziert. Sollte dieses Rennen dann abgebrochen und neugestartet werden, durch z.b einen allgemeinen Rückruf oder unfaire Bedingungen im Rennen selber, darf das identifizierte Schiff nicht bei dem Neustart des Rennens antreten, andernfalls wird das Resultat ein unstreichbares DSQ.

Einfach oder? Sollte man meinen und trotzdem fragt mich Jens-Uwe erstaunt warum da auf der Liste soviel Punkte auftauchen.
Jeder weiß das! Zumindest sollte es jeder wissen.

Zurück vom theoretischen Regelbuch auf die praktische Regattabahn, wo Jörg Gosche weit vorne seine einsamen Kreise (eigentlich nur Up and Down) zieht und hinter ihm gekämpft wird. So wechseln sich in den drei Rennen des Tages auf dem 2. Platz die Teams Bräuer, Tonne und Gierten ab, die Liste ist bunt durcheinander gewürfelt durch die Frühstarts. Das segeln an diesem Tag so ungewöhnlich schön für deutsche Verhältnisse, die Luft ist erstaunlich warm und der Wind konstant in Richtung und Stärke, es ist schon fast erholsam auf dem Regattakurs.
Abends gibt es wie gewohnt aus Niendorf verschiedene Suppen und Freibier und wir sitzen in der Sonne bis spät am Abend.

Der Sonntag brachte nicht den versprochenen Regen, aber der Wind kam mit guten drei bis vier Windstärken aus der angekündigten Richtung (Süd bis Südwest). So schön und „einfach“ der erste Tag gewesen war, so bereitete uns und einigen anderen Teams der drehende und böige, weil ablandige Wind gewisse Probleme. Der Wettfahrtleiter schickte uns noch einmal für drei Rennen auf die Bahn, so konnten wir unseren Frühstart aus dem ersten Rennen wegstreichen aber wir schickten dann direkt einen hinterher und so verbauten wir uns dann eine bessere Position als den 10.Platz im Endergebnis. Jörg gewann letztendlich vor Ecki und Chrisch auf dem 2. und 3. Platz. Hervorheben will ich hier nochmal die Leistung von Chrisch und Sanni die wieder einmal gezeigt haben wie gut sie mit diesen Bedingungen zurecht kommen, Respekt nach dem langen Winter. Aber auch das gesamte Organisationsteam gehört gelobt für diese tolle Veranstaltung die jedes Jahr wieder viele von uns anzieht.
Niendorf: nächstes Jahr wieder.

Jeder weiß das!


Im laufe des Tages sollten auch die Berichte über die Regatten am Walchensee und am Zwischenahner Meer folgen.

Gruß Max

MaxS
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Walchensee 2011-Vom Fremdgehen und dem ersten mal..am Walche

Beitrag von MaxS » 07.06.2011, 16:27

Hier dann der Bericht zur Regatta auf dem Walchensee

Mein Umzug nach Passau hat mir nicht nur eine weite Anreise an die Ostsee beschert, sondern auch die Möglichkeit die eine oder andere Regatta auf einer der vielen bayerischen Seen mitzusegeln. Ein leeres Wochenende im Regattakalender, zumindest im Norden, wollte ich nicht zulassen und so fand ich mit einiger Hilfe aus dem veranstaltenden Club am Walchensee, Joachim Dangel dem Commodore der Klassenvereinigung für Bayern und nicht zuletzt dem F18 Forum, Hansjörg. Obwohl Hansjörg eigentlich eher mich fand. Egal wie herum, letztendlich hatte ich einen Platz an der Vorschot gefunden, ungewöhnlich für mich war nur das wir auf einem „Wildcat“ den höchstgelegensten See Deutschlands unsicher machen wollten, schließlich bin ich seit meinem Einstieg in die Klasse 2005, ständig nur auf Catamaranen des Typs „Capricorn“ gesegelt. Es mag zwar als Vorschoter keine weltbewegende Umstellung sein und doch muss man erst einmal einen Blick für die etwas andere Decksorganisation entwickeln, die bekanntermassen beim „Wildcat“ etwas aufwendiger gestaltet ist und so wirkt das Trampolin ganz schnell unaufgeräumt. Es fühlte sich für mich nach fremdgehen an und der böse Spruch von Jens Uwe ich solle doch ein Messer an Bord nehmen um mich losschneiden zu können, bekam eine ganz neue Bedeutung.
Als Student habe ich jetzt auch schon immer Freitags Wochenende und so konnten Hansjörg und ich schon ein Tag bevor die erste Wettfahrt stattfinden sollte die gut 75 Kilometer Strecke und mehrere hundert Höhenmeter von München zum Walchensee antreten, das ganze bei strömendem Regen dem schließlich auch der geplante Testschlag zum Opfer fiel. Denn die Verhältnisse an diesem See sind ähnlich denen des Gardasees. Gutes Wetter lässt eine kräftige Thermik entstehen, bei schlechtem Wetter ist tote Hose. Für Samstag ließ unter Berücksichtigung dieses Wissens der Wetterbericht nichts gutes vermuten, zwar riss die Wolkendecke am Vormittag langsam auf aber die Sonne sollte es weiterhin schwer haben. Wir waren aber schon froh als wir dann noch knapp 20°C und 1-2 Windstärken bekamen, war das doch ein immenser Anstieg zu den 6°C Lufttemperatur die wir aus den anderthalb Tagen zuvor kannten.
Über Nacht hatte es auf dem Herzogsstand, der sich bis zu 1800 Meter über NN erhebt, Schneefall gegeben und dementsprechend dick bekleidet traten die Segler der Klassen F18, Hobie 16 und Hobie 14 Samstagmorgens an um die letzten Restarbeiten an den Schiffen zu erledigen.
Samstagnachmittag dann: Leichtwindrennen. Und dafür das wir ausser der Strecke vom Campingplatz, wo die Boote und die meisten Segler untergebracht waren, bis zum Startschiff das in der anderen Ecke des Sees festgemacht hatte bisher gar nicht zusammen gesegelt waren schlugen wir uns dann auch ordentlich. Mit den Plätzen 12 und 14 in einem Feld von 20 Booten (22 hatten gemeldet!) konnten wir durchaus zufrieden sein vor allem wenn man die Dichte des Feldes betrachtet. Der bayerische Hobie Händler hat 12 „Wildcats“ ausgeliefert in den ersten Monaten dieses Jahres und so sah sich der Capricorn von Wolfgang Godderis einer immensen Übermacht an neuesten Wildcat Schiffen ausgesetzt, das Bild wurde noch erweitert durch eine handvoll Nacra Infusion, Hobie Tiger und einem, ebenfalls brandneuen C2.

Alles in allem waren das schon norddeutsche Verhältnisse wäre da nicht der See gewesen der natürlich seine ganz besonderen Merkwürdigkeiten hatte. Das Feld blieb bei dem wenigen Wind nicht nur am Start dicht beisammen und so entschieden kleinste Fehler über eine gute oder schlechte Platzierung, so mussten wir zum Beispiel nach einer Fehleinschätzung an der Leetonne auf der letzten Runde noch sieben Schiffe ziehen lassen. Es sollte bei zwei Rennen an diesem Tag bleiben denn schon auf der letzten Runde nahm der Wind nochmal dramatisch ab und so „hungerte“ sich das Feld zurück in die geschützte Bucht um bei wahlweise Spanferkel oder Renke (ein Fisch, gefangen im Walchensee) und natürlich dem guten bayerischen Bier den Abend ausklingen zu lassen, wobei wir schnell in die verschiedenen Vorzelte flüchten mussten, den Temperaturen zum Dank.

Schon früh am nächsten Morgen, bei klarem Himmel, konnten wir die Surfer und Kiter aufziehen sehen, ein gutes Zeichen also das wirklich die erwartete Thermik einsetzen und uns genug Wind bringen würde. Unser Wettfahrtleiter konnte es auch nicht erwarten endlich uns Segler im Trapez stehen zu sehen und so liefen das Feld auch schon gegen 11.00 Uhr aus, immer noch in totaler Flaute. Wir hatten uns schon mitten auf den See gekämpft als wir die Windkante von Norden auf uns zukommen sahen. Der Wind frischte dann auch weiter auf, zu jeder der vier Wettfahrten wurde es mehr bis wir am Ende in herrlichen 3-4 Windstärken bei Sonnenschein unseren Up-and-Down Kurs abfuhren. Mit zunehmender Windstärke wurde das Feld entzerrt. Einige der F18 Segler sind Umsteiger, vor allem aus der Hobie 16 Klasse, die jetzt ihre ersten Erfahrungen auf einem Katamaran mit richtigen Rümpfen und Segeln machen ;-).
Von den Ergebnissen her konnten wir uns auch nochmals deutlich steigern im Gegensatz zum ersten Tag, nach den Plätzen 5, 2 und 9 bei einem Frühstart fanden wir uns dann auf dem insgesamt 9. Rang wieder. Wolfgang Godderis gewann letztendlich souverän nach mäßigem Start vor Joachim Dangel und Thomas Kappelmann auf den Plätzen 2 und 3. Als Preis gab es ein massives Holzfass inklusive entsprechendem Inhalt (Bier) mit der Bitte das Fass signiert und befüllt nächstes Jahr wieder mitzubringen.

Ich war zum ersten Mal am Walchensee und doch möchte ich jedem der es hören will diese Regatta „um´s Walchenfass“ ans Herz legen. Das Revier ist beeindruckend schön nicht nur zum Wandern sonder an warmen Tagen auch für den Segler. Man wähnt sich wirklich schon am Gardasee in Italien nur die Alpen liegen anstatt im Norden, im Süden und bei der Größe der Felder mit den neuesten Schiffen ist so eine Veranstaltung gerade für Teams aus der Mitte und dem Westen die Anfahrt wert.

Chrisch B.
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Re: Regatta- Trainingsberichte

Beitrag von Chrisch B. » 08.06.2011, 01:23

Hey Max, Du emsiger Schreiberling!!!

Sehr eifrig von Dir - und wirklich lesenswert. Ich finde es echt Klasse, was Du hier so ablieferst.
Gerade für die Daheimgebliebenen, die nicht jedes Wochenende regattierend quer durchs Land
toben können!!

Danke & bis Pfingsten!!!

Gruß, Chrisch

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Re: Regatta- Trainingsberichte

Beitrag von Tiescha » 09.06.2011, 15:06

Hallo Rainer,

herzlichen Dank noch einmal für die tollen Tage bei Euch in der REHA. Das Ambiente ist ja schon sehr eigen:
Auf dem Wasser fetzen sich die Cats (gegeneinander und mit der Fähre), am Ufer finden Rollatorrennen statt und hinter dem Takelplatz feiert ein Hochzeitspaar nach dem anderen im schönen Kurhaus.
Leider konnte ich meinen Vorschoter nicht überzeugen eine Braut aufs Wasser zu entführen. Vielleicht hätte sie uns noch ein bisschen Glück gebracht –hätten wir gebraucht….

Bei den Traumbedingungen: Sonne, Wind und schöne Kulisse, fällt die Flasche Anti-Gilb, die auf jedes Boot muss (und in die Anzüge..) gar nicht ins Gewicht.
Mein einziger Verbesserungsvorschlag: Die Start- und Ziellinie 5m weiter aufs Wasser verlegen. Das war schon ganz schön dicht an der Mole. Bei einem Zieleinlauf unter Spi haben wir zwar viel Applaus vom Steg bekommen, aber ich auch weiche Knie im Trapez.

Danke an die ganze Organisationscrew. Es war bis zum leckeren Abendessen alles Klasse.
Ich hoffe Du hast Deinen Ausfall überstanden, sonst gute Genesung. :dk

Viele Grüße
Andreas
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Kieler Woche 2011

Beitrag von MaxS » 16.07.2011, 19:41

Hier nochmal der Rückblick auf die halbe Woche in Kiel

Kieler Woche: groß, laut, chaotisch und schlicht zu teuer dafür das im Schnitt mindestens ein Segeltag ausfallen wird. So oder so ähnlich ist der Tenor den man aus unserer Klasse von vielen vernimmt, mit der Ausnahme der 22 deutschen Teams die sich dieses Jahr im olympischen Revier von 1972 eingeschrieben hatten. Diese Teams wurden eines besseren Belehrt. Nicht nur der Wind spielte an allen Tagen mit, sondern auch die gesamte Organisation an Land wie auf dem Wasser war tadellos mit einiger weniger Ausnahmen aber dazu später. Die einzige Tradition die so wirklich aufrechterhalten wurde war der Regen der uns schon am Mittwochabend , den zweiten Tag des Sommers, in Empfang nahm und sich auch nie wirklich verzog bis zum Sonntagnachmittag.

„Das Segeln der Zukunft“ war wohl das Motto dieser 149. Kieler Woche, nur die F18 Klasse wurde von der multimedialen Berichterstattung, dem Live Tracking, den On-board Kameras, den Live Streams im Internet ,dem Helikopter und den Fotografen (noch) in Ruhe gelassen und so lag der Fokus auf der Bahn Delta auf dem aussergewöhnlichen Kurs, dem Inner und Outer Loop der benutzt wurde um die große Anzahl von A-Cats, Hobie 16 und eben den F18 zu trennen. Schon bei der Steuermannsbesprechung entstanden Unsicherheiten wo und wann welche Tonne wie oft zu runden sei und ob der geplante Flieger rüber zum Outer Loop nicht zu Riskant wäre bei dem angekündigten Wind. Ein Tiefdruck Gebiet über Norwegen hatte schon den Olympischen Klassen viel Druck gebracht und auch unsere Serie war zumindest an drei Tagen von dem starken Zusammenspiel von Wind und Welle geprägt. Und ja, natürlich gab es auch einige Mannschaften die aus dieser Schlacht als Verlierer hervorgegangen sind.

Zum diesjährigen Debüt Rennen von Helge und Christian, zogen sich die Nacra Teams auf ihre neuen Rümpfe die schon von gewissen Wildkatzen bekannte graue Haut, die ja auch liebevoll als „Rentnerbank“ bezeichnet wird aber das sollte keineswegs über die Nützlichkeit hinwegtäuschen. So waren in den ersten beiden Rennen gleich drei dieser Modelle weit vorne mit dabei, das dieses nur an den tadellos funktionierenden Rentnerbänken lag kann doch stark bezweifelt werden. Sachs konnten sich mit zwei Tagessiegen ganz vorne positionieren gefolgt von den üblichen Verdächtigen um Jörg, Andreas und Ecki. Klingt nach einer Routineveranstaltung und doch passierte den Teams an der Spitze in der 2.Tageswettfahrt ein Fehler der zum Abbruch des Rennens führen sollte. Genau genommen war es kein unmittelbarer Fehler der Segler. Vielmehr hatte der Wettfahrtleiter der Bahn Hotel, der Bahn die weiter westlich von unserer Deltabahn liegt, eine seiner Tonnen nicht festgemacht und diese trieb nun bei dem starken Westwind in unseren Kurs und wurde von uns als neue Tonne 2, die Tonne am Ende des Fliegers, benutzt was für uns im ersten Moment Erleichterung bedeutete, denn diese Tonne lag deutlich höher als die eigentlich zu rundene Marke. Kurz vor Ende der Wettfahrt wurden wir dann von der Bahn geholt und mussten uns zum Neustart formieren.

Das Rahmenprogramm in Kiel ist so gut wie altbewährt, wie jedes Jahr heizen United4 den Seglern der vielen verschiedenen Klassen ein, es kommt eine Internationale Stimmung auf, was eine schöne Abwechslung zu all den Regatten ist wo wir als Klasse unter uns bleiben. Nur bei den Mahlzeiten ist man in Kiel wirklich auf sich allein gestellt. Dieses Jahr wurde im Vorfeld organisiert das wir uns alle gemeinsam gleich an zwei Tagen zum Grillen treffen. Freitag und Samstag wurde also direkt nach dem Segeln der Grill angeschmissen und die gesponserten Würstchen und Bier ausgegeben. Wo also der Veranstalter es versäumt hatte sich um die Segler zu kümmern, haben wir in Eigenregie uns die Zeit nett gemacht und uns mit Leuten umgeben die ähnlich gesinnt waren und das mit minimalem Aufwand an Zeit und Geld. Ein besonderer Dank soll an dieser Stelle an Jens Uwe und Dieter Maurer gehen, die glaube ich Hauptsächlich zur Verpflegung beigetragen haben, aber natürlich auch an alle anderen die an diesem netten Abend mitgewirkt haben. In solchen Momenten freue ich mich besonders in dieser Klasse mitsegeln zu dürfen und wir sollten versuchen solche Aktionen auch in Zukunft wieder zu veranstalten.

Gesegelt wurde neben all dem Grillen natürlich auch noch, am Freitag und Samstag insgesamt 7. Wettfahrten bei den besten, wenn auch extremen Bedingungen. Der Wind wehte weiterhin ziemlich konstant aus West und die Schauer die mit den Wolken über der Bahn niedergingen störten kaum jemanden, die Rennen sorgten für genug Bewegung und Spannung. Ausser zwei „Patzern“, so beschrieben es die Segelreporter später, segelten Sachs immer vor dem Feld. Andreas John, der mit neuen Rümpfen noch schneller fuhr als an den Wochenenden zuvor, lieferte sich ein packendes Duell mit Jörg Gosche um den direkten Platz dahinter, Ecki lag vor dem letzten Tag durch einen Defekt schon fast ausser Reichweite auf Platz 4. Dahinter wie aufgereiht die Verfolger der Spitzengruppe, die vielen spannenden Positionskämpfe hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, die Geschichten werden sicherlich alle zur Genüge bei dem nächsten KV- Grillen rausgeholt. Erwähnt sei vielleicht noch Harry Schmeink der von einer Karriere im Starboot mit dem lettischen Olympia Team abgesehen hat und jetzt doch wieder bei den F18 mitsegelt, Welcome Back!
Einen unerfreulichen Unfall gab es dann doch auf der Bahn, Stephan Stüven touchierte bei einem engen Manöver an der Luvtonne mit einem gegnerischen Boot und musste im Krankenhaus behandelt werden und trägt jetzt einen Gips für mehrere Wochen. Wir wünschen dir alles gute Stephan, erhol dich schnell wir wollen dich wieder auf der Bahn sehen!

Am Abschlusstag hatte sich der Wind verzogen, wir mussten uns Sorgen machen ob wir überhaupt noch einmal den Weg zur Bahn antreten durften, der Wetteronkel auf dem großen Bildschirm machte uns nicht zu viele Hoffnung. Bevor wir uns aber aus Kiel verabschieden konnten löste die Sonne den Regen und die Wolken ab die uns seit Tag 1 begleitet hatten und mit mäßigem Druck segelten wir schließlich doch noch einmal über die Bahn. Ecki konnte mit einer Bootslänge Vorsprung im Ziel seinen 4. Platz vor Jens Uwe verteidigen und plötzlich war auch Martin mit seinem C2 wieder da, der an den Tagen vorher passen musste. Ganz vorne sicherten sich Andreas John und Sven Lindstädt den 2.Platz vor Jörg Gosche und Hannes Pegel. Sachs gewannen mit (fast) lupenreiner Weste.

Diese Kieler Woche hat wirklich beide Sachen vereint: den Spaß auf und neben der Regattabahn. Um unseren Sport und unsere Klasse im speziellen mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, bietet die Kieler Woche eine ideale Plattform. Um Teil der Zukunft des modernen Segelsports zu sein und in den nächsten Jahren auch zu bleiben wäre es wichtig weiterhin so starke Felder zu stellen wie bisher und vielleicht schaffen wir es ja nächstes mal die 40er Marke zu knacken.

MaxS
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WM 2011 Balatonfüred

Beitrag von MaxS » 20.07.2011, 12:47

Bericht über die WM, Viel Spaß beim Lesen

3:30 Im Osten wird es schon langsam wieder hell als Jens Uwe mich in Passau aufsammelt. Ich setze mich direkt auf den Fahrersitz und neben mir schläft Jens Uwe schon fast, immerhin hat er über die Hälfte der Strecke zum Balaton schon hinter sich.

7:00 Mit einem guten 100er-Schnitt sind wir 300km und genauso viele Stunden später über Wien. Ich darf „über“ Wien sagen da wir, von Westen kommend die Föhrenberge überwinden zu haben und der letzte Abstieg eröffnet einem einen wahnsinnigen Blick über Wien. Erinnert mich sehr an die Anfahrt auf Hamburg die Harburger Berge sind natürlich nur unwesentlich flacher. Den Ausblick auf die Stadt kann ich nur kurz genießen, mein Bordcomputer lässt mich am nächsten Kreuz die Abfahrt nehmen.

8:00 Vorbei am Neusiedler See erreichen wir die Ungarische Grenze die so unspektakulär ist wie jede andere in Europa, dafür habe ich jetzt noch 170 km Landstraße in Ungarn vor mir. „Kreisel und Löcher“ mehr muss ich nicht sagen...

9:00 Es fängt an zu regnen, Aussentemperatur 13°C
9:30 Es regnet immer noch ziemlich stark. Wir sind inzwischen am See angekommen aber am unteren Ende also weitere 40 km bis zum Ziel.

Ab 10:00

Das Areal der Regatta ist ein Campingplatz mit gewissen Regeln: Boote sind in zwei Reihen aufzustellen, Trailer werden nur auf den ausgewiesenen Plätzen geparkt und nach 22:00 Uhr wird nach Regel 69 protestiert sollte man als Segler auffallen. Das klingt aber schlimmer als man vermuten würde, sobald der Regen aufgehört hatte konnten wir aufbauen und ganz fix unser Boot vermessen lassen, das Team der Organisatoren wusste anscheinend genau was sie taten und das unser C2 als Wildcat registriert wurde nahmen wir dann einfach mal so hin. Den ersten Testschlag hoben wir uns für das Practice Race am Sonntag auf und in netter Runde gabs dann Bier und Pizza.

Vor dem ersten Rennen am Montag bat uns der Wettfahrtleiter zu einem Meeting um uns vorzubereiten was wir denn von ihm und dem See zu erwarten hätten. Laut der Vorhersage für die Woche konnte damit gerechnet werden das nach Mittwoch alle Segel gestrichen werden müssten, mit gutem Wetter und Hitze kommt die Flaute und diese Erkenntnis ergibt ein straffes Programm für die Segler in den ersten Tagen.
Laut unseren Meisterschaftsregeln ist eine WM dann erst gültig wenn die Qualifikation abgeschlossen ist, das würde bei 101 angetretenen Schiffen bedeuten, dass jede der 4 Gruppen zweimal gegen jede andere Gruppe antreten muss, also zu dann insgesamt 6 Läufen. Dieses Prinzip wird auch „Round Robin“ genannt.
Um also den Zeitplan einzuhalten versprach uns der Wetffahrtleiter kurze Rennen, wobei der Kurs so fair wie möglich nach der mittleren Windrichtung gelegt werden würde. Winddreher seien keine Seltenheit, unter Änderungen von 90° kommt ein Abbruch oder die Verlegung einer Tonne nicht in Betracht und ist auch kein Grund zum Protest. Achja und VIEL SPAß hat er uns auch noch gewünscht.

Ich glaube jeder Mensch hat schon mal davon geträumt im Lotto zu gewinnen, neu ist vielleicht nur die Erkenntnis das man diesen Traum erreichen kann während man eine Weltmeisterschaft segelt. Die Unkonstanz des Windes in Stärke und Richtung bereitete vielen Teams Schwierigkeiten in den vier Rennen des ersten Tages. Eine bevorteilte Seite gab es fast immer doch sie zu treffen war nicht wirklich vorhersehbar. Aus deutscher Sicht konnten sich Sachs erfreulich weit vorne platzieren und mit Wolfgang Godderis war ein weiteres Boot unter den Top 40. Dahinter im Mittelfeld waren Jens Uwe, Thomas Haupt, Jörn Horst, Joachim Dangel, Peter Tischer und Herman Brandstetter mit ihren Crews zu finden. Aus unserer Sicht waren wir trotz des Windes mit einer Ausnahme Plätze um 25 (bei 50 Booten an einem Start) gesegelt und lagen auf Platz 48 des Rankings, was so ziemlich unser Zielsetzung entsprach.

War der erste Tag schwierig, so wurden in den nächsten Tagen die Bedingungen nicht eben einfacher. Der Wind nahm von knapp 12 Knoten am 1.Tag weiter ab, Dienstag konnten zwei Gruppen ein Rennen beenden, die anderen beiden Gruppen wurden durch schwindenden Wind zurückgerufen und waren damit ein Rennen im Rückstand. Wir waren in der glücklichen Gruppe die durch das Rennen „geprügelt“ wurden. Als wir auf den letzten Downwind Richtung Ziel abbogen, frischte der ansonsten sehr schwache Wind kurzzeitig auf und drehte fast 90°. Unter Spinnaker konnten wir von ungefähr Platz 20 ziemlich nah an Sachs ranfahren die zu diesem Zeitpunkt das Rennen anführten. Schlagartig starb der Wind und das Feld stand fest, die ersten 30 Boote extrem nah beieinander. Das Wasser war so flach und der Wind so schwach das man Böen mit dem Auge nicht mehr erkennen konnte, als wir dann mit dem Glück der Dummen plötzlich doppelt so schnell an all den Topteams vorbei zogen, wurde hinter uns gejohlt und geklatscht. Im Endeffekt retteten wir uns doch nur auf den 20.Platz aber immerhin noch vor Darren Bundock, der am Abend verzweifelt versuchte seine Chancen auf den Titel zu wahren indem er Unterschriften zur Annulierung des Rennens sammelte. Der Antrag wurde abgelehnt und Sachs hatten ganz sicher nicht unterschrieben, denn vor den beiden waren nur die italienischen Wildcat Europameister im Ziel gewesen.
Nach diesem Rennen durften wir dann noch Zeugen eines Spektakels von unglaublichem Ausmaß werden. Die beiden anderen Gruppen durften bei inzwischen etwas Druck noch einen Startversuch wagen, bis Mischa Heemskerk unter Spinnaker die Leetonne rundete und gegen das Feld mit halbem Wind zur Luvmarke fuhr. Das war dann auch unserem Wettfahrtleiter zuviel und er verschob die restlichen Rennen auf den nächsten Tag.

Mittwoch sollten also drei Starts stattfinden: einmal zu Rennen 5 und zweimal zu Rennen 6. Nach Abschluss der Rennen ging es zurück ans Land für die Einteilung in Gold und Silber Flotte. Aufs Wasser sollten wir nicht mehr kommen, durch einige Proteste wurde die Einteilung erst spät am Nachmittag getroffen. Unter anderem wurde gegen die Segel der Marke „Sail Innovation“ protestiert da diese mit unerlaubtem Material verstärkt worden sind. Bemerkenswert ist das diese Segel die WM in Erquy 2010 gewonnen haben und auch in Ungarn wurden die von einigen Topteams benutzt. Im Endeffekt wurden die betroffenen Teams aber unerwartet nicht Disqualifiziert, die Argumentierung der Jury war, dass die Nutzer der Segel von dem Gebrauch verbotener Materialien in ihren Segeln nichts wissen könnten.
Der Donnerstag wurde zum Layday und mehr als Rumliegen wollte man auch nicht unter extremer Hitze, die Kaffebude mit dem Schatten spendenden Schirm wurde bis zum späten Nachmittag nicht verlassen. Die Rennen des Tages wurden dann am Abend an der Wasserskianlage ausgetragen, die den Bootsliegeplätzen direkt vorgelagert war.

Jens Uwe und ich hatten als 48. gerade so noch die Goldflotte geschafft und waren jetzt natürlich dementsprechend heiß uns mit den ganz großen der Szene messen zu können. Und der Freitag brachte uns unverhofft eine schöne Portion Wind. Dieser letzte Tag entschädigte uns für die vier vorangegangenen, der Wind wehte mit 3-4 Bft und dazu noch relativ konstant aus einer Richtung. Das wir dann doch nur Platzierungen am Ende unserer Flotte einfuhren lag jetzt nur noch an der Qualität unserer Gegner. Zum krönenden Abschluss fuhren wir im letzten Finalrennen dann doch noch ganz knapp an die Top20 heran, sogar Sachs konnten wir in dem Lauf hinter uns lassen. Wir fuhren also mit gutem Gefühl Richtung Richtung Slipanlage, das wir dann leider einen Protest gegen uns bekamen und ihn auch verloren konnte daran auch nichts mehr ändern.

Sachs wurden dann doch noch Weltmeister, nicht nur als schnellste Abbauer und Wegfahrer sondern auch in der Kategorie „Masters“, für besonders erfahrene Crews. Für den Rest sind bei einer WM vielleicht die Spitzenplatzierungen (noch) weit weg und doch kann man neben dem Spaß auch einiges an Erfahrungen mitnehmen und eigentlich sind doch alle diese Orte auch geeignet um sich zu erholen von zuhause.

Euer Max

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Re: Regatta- Trainingsberichte

Beitrag von jorgo » 21.07.2011, 20:15

Schöner Bericht, danke Max!
Bin mir jetzt gar nicht mehr so sicher, ob ich noch traurig sein soll weil ich nicht teilnehmen konnte :shock:
Am Ende sind aber ja doch die üblichen Verdächtigen vorne gewesen .... also alles normal, oder was !?

Bis bald in Travemünde.

MaxS
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Re: Regatta- Trainingsberichte

Beitrag von MaxS » 14.09.2011, 14:26

Die ISAF (hier: Internationaler Seglerverband, nicht: Internationale Schutztruppe von Afghanistan) hat sich auf ihrer Versammlung in dem kleinen englischen Örtchen "Worlds End" Gedanken gemacht wie die Zukunft des Segelsports im allgemeinen und im besonderen die der olympischen Klassen aussehen kann. Die Herren in dieser Runde haben sich erstaunlich schnell dann auf ein Konzept zur Reduzierung des Materialaufwandes während aller Worldcups und sonstigen Veranstaltungen von Grade A-X geeinigt. Dieses Konzept könnte möglicherweise schon 2012 in Kraft treten, spätestens aber zu den Milleniumsspielen im Jahr 3000 würden Segler aller Nationen sich diesen neuen Regeln unterwerfen müssen, so von offizieller Seite. Das Konzept der ISAF (genannt Ruling XXX, XXX hier: aus der Mathematik bekannter Begriff für unbekannte Größe, nicht: Rahmenprogramm der Versammlung in semi-legalen Etablissements in "Worlds End") soll hier, bei all den vagen Andeutungen um Ruling XXX, der segelnden Bevölkerung (schonend) beigebracht werden. Hier also exklusiv und brandaktuell eine Diagramm zur Erklärung von Ruling XXX


Disclaimer: Die in diesem Beitrag genannten Institutionen vertreten nicht die im Text dargestellte Position (hoffentlich), jedwede Verbreitung der hier verbreiteten Informationen kann strafrechtlich verfolgt werden, das Konzept ist noch streng geheim, also nicht weitersagen.
Dateianhänge
ISAF Ruling XXX, die optmierte Zukunft des Segelsports
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Re: Regatta- Trainingsberichte

Beitrag von JUT » 20.09.2011, 20:31


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Re: Regatta- Trainingsberichte

Beitrag von MaxS » 09.10.2011, 21:32

http://www.muscatregatta.com/index.php

Irgendejemand Interesse? Es gibt Preisgeld zu gewinnen (55.000 Dollar)

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Re: Regatta- Trainingsberichte

Beitrag von Harry » 10.10.2011, 09:45

Alles klar - oder habe ich etwas überlesen ?

Kein Startgeld für die Regatta in dem Segelgebiet vor dem Hafen. - aber 360 sm sind ein Stück wo man ggf. auch mal schlafen muß. Oder sind Etappenziele vorgesehen ? :rr:

Gruß Harry

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Re: Regatta- Trainingsberichte

Beitrag von MaxS » 20.11.2011, 20:44

Hab eine kleine Schaffenspause eingelegt, bedingt durch Studium und all den Sachen die so passieren im Moment, ich verspreche euch aber das ich die Saison noch aufarbeiten werde. Hier erst einmal der Bericht zur Italienischen Meisterschaft am Comer See. Viel Spaß



Eine Sommerpause, bekannt aus vielen anderen Sportarten gibt es in unserem Rennkalender nicht wirklich, diesen Sommer aber mussten wir Segler uns des öfteren einer Sommerflaute beugen. War die Regatta in Kiel noch gezeichnet von starken Winden, war das vorherrschende Bild zu den Regatten in Travemünde und auch zwei Wochen danach in Scharbeutz, eher flaches Wasser und Vorschoter die auf unterschiedlich Weise versuchen den Gewichtsschwerpunkt soweit es eben ging nach vorne zu bringen.
Zugegeben dazwischen hatten Christoph, Finn und ich das wohl schönste Wochenende im Jahr auf der Bucht erwischt aber für den gemeinen Regattabesucher war Tristesse angesagt.
Da kam der Anruf von Wolfgang Godderis am Montag nach einem weiteren frustrierenden Wochenende gerade recht. Sein Vorschlag an den Comer See zu fahren weckte bei mir Erinnerungen, Dervio kennen einige von euch sicher noch von der EM 2007, für mich damals erst die zweite Großveranstaltung, noch zusammen mit Justus. Thermische Winde, Atemberaubende Landschaft vor allem nach der deutschen Grenze und die Aussicht auf eine internationle Veranstaltung waren die Bilder die mir als erstes durch den Kopf gingen.
Auch Harald hatte wohl ähnliches im Kopf, so musste sein Tunnelbohrer ein paar Tage ohne ihn auskommen, brauchten wir nur noch eine physisch und psychisch aufs härteste belastbare Person, die kein Problem darin sieht den ganzen Tag an Leinen zu ziehen und eventuelle Kommentare des Chefs über sich ergehen lässt, kurz wir brauchten noch einen Vorschoter. Finn hatte ich am Wochenende zuvor schon heiß gemacht (besagtes „Wochenende des Jahres“) und so kostete ihn die Entscheidung nur ein ärztliches Attest und die Bahnfahrt nach Hamburg wo Harald und ich ihn am Dienstagabend erwarteten.

Vollgepackt mit schönen Sachen die das Leben schöner machen ging es also Richtung Süden, die Waaderkant im Rücken die Alpen Voraus. Harald hatte sich als Schmankerl eine Fahrt mit der Fähre über den See herausgesucht, so konnten wir auch die schwierige Passstrasse vermeiden. Durchtauschen war in der Nacht angesagt, kurzer und teurer Kaffee in der Schweiz am Morgen und gegen 9:00 bogen wir in Lugano von der Autobahn ab. Das Internet hatte Harald verraten das wir von dort in ein paar Kilometern die Fähre am Comer See erreichen konnten. Leider konnte das Internet nicht wissen das wir noch einen Anhänger angehängt hatten, der sich mit seiner Breite von 2,60m an der Grenze des erlaubten bewegt. Die enge Straße entlang am Luganer See war demnach auch nur bedingt geeignet dafür was wir vorhatten und ich bin ziemlich sicher gesehen zu haben das Anhänger auf der Strecke nicht erlaubt sind. Wird wohl nicht so schlimm sein dachten wir uns und fuhren hinauf. Der erste Autospiegel war schon an Haralds Capricorn zerschellt als Diego mit seinem Lastwagen um die Ecke knallte und vor uns zum Stehen kam. Hinter ihm und uns einige Autos, es gab also kein vor und zurück, Diego nahm's locker, die anderen Autofahrer weniger. Also Anhänger abhängen und in die nächste Hauseinfahrt, während Harald die restliche Strecke erkundet, erklären Finn und ich der netten Dame die wohl in dem Haus wohnt dessen Einfahrt wir gerade benutzen, dass wir kein unerwarteter Besuch von ihr sind und das dieses „silberne Rohr“ auf dem Anhänger ein Mast ist. Der Rest der Strecke läuft dann wieder reibungslos, die Fähre scheint nur auf uns zu warten und die Überfahrt gewährt uns schon einmal einen Ausblick für den allein sich 1000km schon fast lohnen.
Anders als bei der EM liegen wir mit den Schiffen, stolze 55 Teams haben gemeldet, direkt am Centro Vela Dervio, von wo wir direkten Blick auf die Bucht von Dervio, unserem Regattagebiet, haben. Heiße Temperaturen beschleunigen die Aufbauarbeiten, bis wir die erste italienische Pasta genießen können vergeht wenig Zeit. Die Temperaturen sind wohl auch Schuld daran das sich die sonst so zuverlässige Thermik nicht richtig entwickeln kann, laut den Italienern wird dann auch in den nächsten Tagen wohl eher am Vormittag gesegelt werden können.
Am ersten Wettfahrttag ist der Start aber um 13:00 Uhr angesetzt, die Befürchtungen,dass der Südwind kaum Kraft entwickelt, treten ein und so segeln wir nur eine Wettfahrt an diesem Tag. Wolfgang und Dieter Maurer mit ihren Crews erwischten eine erste Sahnekreuz, lagen auf Platz 2 und 3 an der ersten Tonne und an den Positionen sollte sich nicht mehr viel ändern bis zum Zieleinlauf nach 3 Runden. Schon beim rausfahren konnte man sehr gut beobachten das etwas weiter auf der linken Seite ein deutlicher Windunterschied zu dem Rest des Kurses herrschte. Diese Seite lag nur 200-300m weg vom Land, wer es aber auf der rechten Seite weiter unter Land probierte verhungerte gnadenlos und es gab überraschend viele die es dort versuchten.
Auftakt nach maß also für zwei von vier gestarteten deutschen Teams.

Die Wettfahrtleitung reagierte und ließ das Feld am nächsten Tag schon um 8.00 Uhr zum Start aufs Wasser. Wolfgang und ich konnten frei von allem in Lee starten und hatten wieder den richtigen Riecher mit der Seitenwahl, die entgegen der allgemeinen Erwartung wieder nicht unter Land lag. Die erste Tonne erreichten wir als Führende und wir mussten diese Führung erst auf den letzten Metern vor dem Ziel abgeben, wo uns das Glück des Windes dann plötzlich verließ. Auch Dieter konnte wieder in die Top10 segeln, Harald und Hermann Brandstetter folgten dahinter im Mittelfeld.
Abgesehen davon das wir doch recht früh aufstehen mussten, war es eine wunderschöne Szenerie als die Sonne irgendwann auf der zweiten Runde des Rennens über den Bergen aufstieg und das heruntergekühlte Land langsam begann aufzuwärmen. Das war natürlich schön für den Betrachter, für uns Segler bedeutete das der ohnehin schon schwache Wind weiter abnahm, mit dem Zieleinlauf war er dann auch weg und zum Frühstück waren wir wieder an Land, aber doch alle mit gutem Gefühl ob des erlebten.
Leider setzte die Thermik aus Süd nicht ein und so warteten wir an Land bei heißen Temperaturen, sogar die Italiener flüchteten irgendwann in den Schatten, nicht aber um der Sonne zu entkommen sondern für eine Partie Tauziehen. Es war einer dieser Tage die einem mehr Spannung abverlangen als so mancher Regattatag, ich habe gefühlte 10 Liter Wasser getrunken und bin nach jedem Liter in den See gesprungen...Das Abendessen was uns dann nach vielen Stunden der Warterei im benachbarten Campingplatz kredenzt wurde machte uns alle wieder ein Stück glücklicher. Spaghetti, mit einem für italienische Verhältnisse wahrscheinlich eher mittelmäßigen, für den deutschen Gaumen aber hervorragend schmeckenden Pesto als erstem Gang. Nach dem zweiten Nachschlag kannte uns die Kelnerin, vor allem Finn und Wolfgang konnten ihr immer wieder ein Lächeln entlocken und sie zu unserem Tisch lotsen, selbst die Herren von der Jury die neben uns am Tisch saßen wurden nicht vor uns bedient.
Bis hierhin also zwei ganz nette Tage eigentlich, die Italiener zeigten sich wirklich in allen Belangen von ihrer besten Seite, es sollte sich aber einiges ändern bis zum Ende der Veranstaltung.
Zum ersten waren das die äußeren Bedingungen. Das Tiefdruckgebiet was die Tage vorher über Südfrankreich getobt hatte zog über Nacht in unsere Richtung. Der Start am Samstag war wieder auf 8.00 Uhr angesetzt worden und es wehte schon kräftig als wir um 6.00 Uhr aus Dieters Trailer krochen, bedingt durch die Wetterlage aber aus Süd. Bis zum Start entwickelte sich eine sehr steife Brise, viele hatten schon beim Rausfahren Probleme, einige gingen gar nicht erst raus, auf dem See war schon zu diesem Zeitpunkt alles weiß und es entstand eine ganz unangenehme kleine Welle. Wolfgang und mir riss beim festziehen der Fock das Fall und der Wettfahrtleiter verschob den Start weil ein Italiener auf dem Wasser behandelt werden musste. Es herrschte also auch schon vor dem Rennen Chaos.
Zum Renngeschehen: unser Start gelang wieder ganz ordentlich weit in Lee, diesmal hatten wir lauter Topteams um uns herum und als die langsam an uns vorbei zogen entschlossen wir uns zur Wende um dann gaaaaanz knapp hinter NED 3 den Streckbug zur Tonne zu nehmen. Als wir dann oben unter den Top5 an der Tonne ankamen konnten wir das kaum fassen, ist ja nicht selbsverständlich bei den Bedingungen und unserem Gewicht, wir ließen uns aber nichts anmerken und rundeten sicher. Wir konnten diese gute Position halten bis auf dem 2. Downwind der Wind so extrem drehte das wir auf der linken Seite plötzlich unter der Layline lagen, also einfach bei lockeren 7 Windstärken mit raumendem Wind zum Gate fetzen. Die Kreuz war jetzt einfach, ein Schlag von der Gate - bis zur Luvtonne aber jetzt wo wir wieder gegen den Wind schauten wollten wir da gar nicht unbedingt hin. Eine Gewitterfront zog über den See, starker Regen ließ die Sicht auf 50m oder weniger fallen während gleichzeitig der Wind mit unglaublicher Stärke ins Segel drückte. Fast blind durch den Regen waren wir aber nicht bereit unsere gute Position, die uns auf den ersten Gesamplatz gehoben hätte, aufzugeben. Wir hatten von unten gesehen das die Tonne gerade voraus lag, sehen konnten wir sie jetzt nicht mehr und so mussten wir uns nur darauf konzentrieren nicht zu kentern. Über uns konnten wir aus dem Nichts die Schreie einer Belgierin hören, Angst- oder Freudenschreie man konnte es nicht identifizieren. Überlebt hat sie es aber, hab sie nochmal gesehen nach dem Rennen.
Die Rundung ging problemlos, auch weil die Front inzwischen durchgezogen war und jetzt nahm der Wind innerhalb weniger Minuten stark ab. Etwa 300m vor dem Ziel brach die Wettfahrtleitung das Rennen ab, der Grund dafür ist mir bis heute nicht bekannt.
Sehr ärgerlich für uns und natürlich auch all die anderen die sich bis dahin durch das Rennen gekämpft hatten. Unter Flaute(!) trieben wir zurück in den Hafen. Als alle an Land waren setzte der Wind wieder ein, dieses mal aus Nord mit ähnlicher Heftigkeit wie zuvor aus Süd. Dazu kamen einige Regenschauer wo man an spontane Überflutungsgefahr denken musste.
Wieder durften wir warten, diesmal aber wegen zu viel Druck, alle Schiffe wurden vorsorglich angebunden, laut Vorhersage zog das Tief nur langsam weiter, der Wind könnte also auch bis zum nächsten Tag so stark wehen. Immer wieder gingen die besonders mutigen unter den Seglern zum Wettfahrtleiter, warum den jetzt nicht gestartet werden würde, schlimmer als am Morgen konnte es ja wohl nicht sein? Der Wettfahrtleiter zog immer nur sein Windmessgerät, hielt es in die Luft und der Fragende hatte nichts mehr zu sagen, die 40kn auf dem Display waren beeindruckend.
Als wir alle schon in Richtung Abendessen abdrehen wollten, kam der Aufruf zum Auslaufen, der Wind hatte tatsächlich deutlich abgenommen. Mit beeindruckender Konsequenz zieht der Wettfahrtleiter sein Programm von zwei Wettfahrten durch, ohne dabei auf den abnehmenden und extrem drehenden Wind Rücksicht zu nehmen. Vor allem im zweiten Rennen hat das dann weniger mit Regattasegeln zu tun, ab der 2.Runde fahren wir nur noch Halbwind hin und her. Ein klarer Fehler der Wettfahrtleitung der uns einen 23. Platz kostet, mit nun einem Streicher liegen wir aber immer noch in den Top 3.

Vor dem letzten Wettfahrttag kommt dann das heimliche Gefühl der Hoffnung auf, das Träumen von einem eventuellen Podestplatz, das kann aber auch schädlich für die Konzentration sein. Der Sonntag war der einzige Tag an dem der Wind in Richtung und Stärke mit dem übereinstimmte was man vom Comer See erwarten durfte und was so typisch ist für die Thermischen Reviere in dieser Region. Ein abnehmender Wind mittlerer Stärke aus Nord empfing uns am Morgen. Ein Rennen bekamen wir problemlos durch. Das zweite Rennen des Tages wurde schon bei wenig Wind gestartet. Während die Sonne jetzt immer stärker brannte verlor der Wind weiter an Stärke, auf der zweiten Kreuz hatten wir dann spiegelglattes Wasser und nur noch minimalsten Vortrieb. Und hier machte die Wettfahrtleitung einen zweiten, kapitalen Fehler. Sie ließ die Bahn verkürzen, an der Ablauftonne war geplanter Zieleinlauf. Auf Position 8 liegend waren wir schon auf direktem Kurs zur Luvtonne, leider direkt in Luv von einem Capricorn der uns nicht vorbeilassen wollte, weiter in Lee ist auch Harald mit Finn! Oben gehen die ersten durch das Ziel, wir noch zu weit weg. Dann sind alle vor uns liegenden Schiffe im Ziel, wir schaffen es dann nach einer Ewigkeit zur Tonne. Die Wende verkommt bei diesen Bedingungen total, wenigstens das Umklappen der Latten im Großsegel bringt so etwas wie Vortrieb. Es folgen die bittersten Minuten an diesem Tag. Der Spreader liegt vielleicht 200m entfernt, wir aber nähern uns unwahrscheinlich langsam. Enlich in Hörweite des Zielschiffes angekommen hören wir dann plötzlich das Kommando „trenta secondi“. Die Italienischkenntnisse reichen aus um diese Ansage zu verstehen und uns wird klar das wir in 30 sekunden die 10 Meter zum Ziel zurücklegen müssen. Jetzt ist alles egal, Hauptsache diese Linie überqueren, so unauffälig es eben geht fangen wir an zu paddeln und pumpen. Wir müssen aber trotzdem mit ansehen wie die beiden alten italienischen Herren auf ihrem Schlauchboot die Linie schließen und damit 48 Boote auf der Bahn zurücklassen. Wir sind grenzenlos gefrustet, ein zweites hohes Ergebnis wirft uns weit nach hinten.
Zum Glück für uns setzt der Wind aus Süd nach kurzer Zeit ein und lässt zwei weitere Rennen zu. Unsere Konzentration lässt aber jetzt deutlich nach oder liegt es daran das Mischa Heemskeerk uns blockt, wir können uns jedenfalls kaum mehr wehren, retten immerhin noch den 6. Gesamtplatz. An Land können wir natürlich auch wieder lachen, war die ganze Veranstaltung doch ein tolles Erlebnis. Dieter Maurer und Hans Jörg Neun beenden die Serie auf einem tollen 15. Platz, Harald Schmeink mit Finn Heeg landet auf Platz 37. Herrmann Brandstetter und Steffen Schmidt landen nach vorzeitiger Abreise auf Platz 53.
Insgesamt war es eine tolle Veranstaltung sieht man von den klaren Fehlentscheidungen der Wettfahrtleitung ab. Italien im August ist nicht nur zum Urlaub eine Reise wert, das Revier Comer See mit seiner atemberaubenden Landschaft bietet Platz für tolle Regatten.

Gruß Max

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